„MFA ist kein typischer Frauenberuf“

3. Juli 2019

Ja, es gibt sie – Männer als Medizinische Fachangestellte in den Arztpraxen. Allerdings sind sie immer noch eine Seltenheit. Axel gehört zu ihnen. Der 25-Jährige arbeitet in einer Praxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie im Badischen. In der Facebookgruppe „MFAs im MEDI Verbund“ hat MEDI ihn entdeckt und mit ihm gesprochen, wie es ist, wenn man gelegentlich für den Arzt gehalten wird.

MEDI: Wie vielen männlichen MFA sind Sie bisher in den Praxen begegnet?

Axel: Ich war bisher immer der einzige Mann im MFA-Team. In meiner Berufsschule waren wir zu zweit. Wir waren die ersten männlichen MFA, die ihre Ausbildung an der Schule abgeschlossen haben.

MEDI: Wie sind Sie darauf gekommen, MFA zu werden?

Axel: Ich wollte immer Menschen helfen und etwas Soziales machen. Eigentlich wollte ich zum Deutschen Roten Kreuz, aber ich konnte früher kein Blut sehen. Mittlerweile macht es mir nichts aus, bei Patienten Blut abzunehmen, nur bei mir selbst mag ich es immer noch nicht (lacht). Ich habe vorher zwei andere Ausbildungen begonnen und abgebrochen. Dann habe ich gemerkt, dass MFA genau das Richtige für mich ist.

MEDI: Sie arbeiten seit einigen Wochen in einer Praxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Wie wurden Sie als Mann im Team aufgenommen?

Axel: Ich bin der erste männliche MFA in der Praxis. Es ist für die Kolleginnen auf jeden Fall gewöhnungsbedürftig, aber ich wurde nett empfangen. Und ich werde auch in persönliche Gespräche mit eingebunden. Mein Chef findet es gut, dass ein Mann mit im Team ist. Er hat sich bewusst dafür entschieden.

MEDI: Welche Vorteile bringen Sie als Mann mit?

Axel: Ich schaue auf manche Dinge anders, bringe frischen Wind rein und bin vielleicht manchmal auch nicht so emotional. Ich denke, dass ich durch die tiefere Stimme eine Sicherheit ausstrahle. Ich habe einige Zeit in einer pädiatrischen Praxis gearbeitet und beobachtet, dass vor allem die Jungs bei mir besser mitgemacht haben als bei den Kolleginnen. Außerdem habe ich eine sehr hohe Toleranz und kann sehr ruhig bleiben.

MEDI: Werden Sie manchmal für den Arzt gehalten?

Axel: In meiner Ausbildungspraxis ist das tatsächlich häufiger passiert, weil mein damaliger Chef und ich uns etwas ähnlich sehen. Viele Patienten haben gefragt, ob ich der Sohn sei (lacht).

MEDI: Was ist für Sie das Schönste an dem Beruf?

Axel: Der Kontakt zu den Patienten. Es macht mir viel Spaß auf die Menschen zuzugehen. Sie zu fragen, ob sie alles verstanden haben, was mein Chef gesagt hat. Und ihnen Tests, die ich durchführe, in Ruhe zu erklären.

MEDI: Können Sie diesen Beruf anderen Männern weiterempfehlen?

Axel: Auf jeden Fall. Es gibt ja mittlerweile auch viele Frauen, die KFZ-Mechatroniker sind. Warum sollen nicht auch Männer in typischen Frauenberufen arbeiten? Männer müssen sich im Job untereinander oft beweisen, wer am besten ist. Bei Frauen gibt es das auch, aber nicht so extrem. Die Mischung ist einfach gut. Mein Fazit: MFA ist kein typischer Frauenberuf. Wir brauchen mehr männliche Kollegen.

Tanja Reiners

Social Media

Folgen Sie uns auf unseren Plattformen.

Aktuelle MEDI-Times

MEDI-Newsletter

Mit dem kostenfreien MEDI-Newsletter informieren wir Sie regelmäßig über aktuelle Themen und die neuesten Angebote. Bleiben Sie mit uns auf dem Laufenden!

Die Datenschutzerklärung habe ich zur Kenntnis genommen und bin damit einverstanden.*

Auf Facebook kommentieren!

Burnout: Das High-Touch-Phänomen

Das Telefon klingelt den ganzen Tag, Patientinnen und Patienten stehen ungeduldig am Tresen und parallel benötigt die Chefin oder der Chef Unterstützung. Diese täglichen Praxissituationen kennen alle MFA. Täglich sind sie einem besonders hohen Maß an Stress und Multitasking ausgesetzt. Aber wann ist alles zu viel und droht vielleicht sogar ein Burnout?

ePA-Testlauf: „Der bundesweite Rollout zum 1. April 2025 ist illusorisch“

Seit Mitte Januar läuft in den drei Modellregionen Franken und Hamburg sowie Teilen von Nordrhein-Westfalen die Testphase für die elektronische Patientenakte (ePA). Eine der beteiligten Praxen ist die von Dr. Jana Husemann im Hamburger Stadtteil St. Pauli. Die Hausärztin ist eigentlich ein großer Fan digitaler Anwendungen – und zieht dennoch nur ein eher ernüchterndes Zwischenfazit.