MEDI GENO Deutschland fordert HzV-Modell für Primärarztsystem sowie Entbudgetierung der Fachärzteschaft

2. April 2025

Der fachübergreifende Ärzteverband MEDI GENO Deutschland e. V. unterstützt grundsätzlich das von der Arbeitsgruppe „Gesundheit und Pflege“ vorgeschlagene Primärarztsystem für den Koalitionsvertrag – allerdings im Rahmen der Hausarztzentrierten Versorgung (HzV). Sie ist laut Verband die Benchmark für effiziente Patientensteuerung. Zudem bedarf es der Entbudgetierung der Fachärzteschaft.

„Wir haben in Baden-Württemberg seit vielen Jahren umfassende Erfahrungen in erfolgreicher Patientensteuerung und begrüßen das geplante Primärarztsystem. Dafür benötigen wir aber bundesweit die Einführung der HzV in Verbindung mit den Facharztverträgen als Benchmark und bundesweite Blaupause. Im Kollektivsystem wird das Modell scheitern. Die Hausarztpraxis darf nicht zum Gatekeeper staatlicher Steuerung werden“, mahnt Dr. Norbert Smetak, Vorsitzender von MEDI GENO Deutschland e. V. und praktizierender Kardiologe.

MEDI GENO weist darauf hin, dass bei einer Einführung des Primärarztsystems der gravierende Hausärztemangel berücksichtigt werden muss. Laut einer Studie der Robert Bosch Stiftung aus dem Jahr 2021 werden bis 2035 in Deutschland rund 11.000 Hausarztstellen unbesetzt sein. „Wer wirklich steuern will, muss auch liefern: Wir brauchen deshalb eine durchdachte Digitalisierungsoffensive, eine smarte Ersteinschätzung, Delegationslösungen ärztlicher Tätigkeiten und vor allem ein Ende der Budgetierung medizinisch notwendiger Leistungen“, ergänzt der stellvertretende Vorsitzende von MEDI GENO Deutschland e. V. und niedergelassene Hausarzt Prof. Dr. Siegfried Jedamzik.

Neben der HzV sind laut Verband auch die Facharztverträge essenziell für die Sicherstellung der ambulanten Versorgung. Smetak arbeitet als niedergelassener Kardiologe selbst seit vielen Jahren mit den Facharztverträgen und betont: „Sie sind das perfekte Steuerungsinstrument. Unsere Studien zeigen, dass die Selektivverträge nicht nur für schnellere Terminvergaben sorgen, sondern sich auch positiv auf Mortalität und Hospitalisierungsrate auswirken.“ Gerade bei schwer chronisch Erkrankten sei es wichtig, dass das Primärarztsystem flexibel bleibe und auch Fachärztinnen und Fachärzte in einer modernen Versorgung weiterhin zentrale Betreuerrollen übernehmen können.

Der Ärzteverband fordert zudem, ein künftiges Primärarztsystem nicht ohne die Entbudgetierung fachärztlicher Leistungen aufzubauen. „Wenn wir von den Hausärztinnen und Hausärzten notwendig bescheinigte fachärztliche Untersuchungen durchführen sollen, müssen wir sicher sein, dass diese Leistungen auch vollständig bezahlt werden“, betont Smetak.

Abschließend kritisiert MEDI GENO die geplanten verpflichtenden Facharzttermine über die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) als schweren Eingriff in die Autonomie der einzelnen Praxisstrukturen: „Um das erfolgreiche Modell der niedergelassenen Praxen zu erhalten und Nachwuchs zu gewinnen, müssen wir die Praxen stärken – statt Niedergelassene zu Staatsmedizinerinnen und -medizinern zu degradieren“, so Smetak.

Tanja Reiners

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