„Das hat nichts mit Panikmache zu tun“

16. September 2020

Bei der Vertreterversammlung (VV) der KBV in Berlin hat Dr. Werner Baumgärtner, Vorstandsvorsitzender von MEDI GENO Deutschland, seine Kolleginnen und Kollegen davor gewarnt, die Corona-Schutzmaßnahmen zu vernachlässigen. Er geht außerdem von einer zweiten Welle im Herbst und Winter aus, weil dann die Infektionskrankheiten zunehmen. Dem stimmt Dr. Burkhard Lembeck, Orthopäde und Unfallchirurg sowie Vorstandsmitglied des erweiterten Vorstands von MEDI Baden-Württemberg, zu.

MEDI: Herr Dr. Lembeck, die Vorstände der KBV hatten kritisch über die von der Regierung angestoßenen Schutzmaßnahmen gesprochen. Wie sehen Sie das?

Lembeck: Schutzmaßnahmen sind immer kritisch zu hinterfragen und dem Stand der Pandemie anzupassen, dem stimme ich vollumfänglich zu. Schließlich bedeuten Schutzmaßnahmen immer einen Eingriff in die Abläufe des Alltags beziehungsweise der Praxis oder Klinik. Eine pauschale Kritik an den Schutzmaßnahmen teile ich jedoch nicht. Wir sind in Deutschland dank gemeinsamer Anstrengungen von Ärzten in Klinik und Praxis, von Krankenkassen und Politik gut durch die Krise gekommen. Welches Land hat es denn besser gemacht?

MEDI: Was wäre also zu tun?

Lembeck: Wir müssen wachsam bleiben. Corona bleibt eine gefährliche Krankheit. Das hat nichts mit Panikmache zu tun. Es braucht weiter die Abstimmung von Ärzten und Politik, pauschale Verunglimpfungen in beide Richtungen helfen uns nicht weiter, sie führen nur zur Verbitterung und zu Lagerkämpfen.

MEDI: Welche Lehren ziehen Sie aus der Pandemie?

Lembeck: Die Pandemie hat unsere Arbeit in den Praxen in den letzten Monaten maßgeblich bestimmt und wird es auf absehbare Zeit noch tun: Der Mund-Nasenschutz im Praxisalltag bleibt und das wirkt sich auf unsere Kommunikation aus, im Wartezimmer müssen die Abstände zwischen den Sitzmöbeln eingehalten werden, in der apparativen Medizin, wie zum Beispiel beim Röntgen, dauern die Behandlungszeiten länger.
Was ich vermisse, ist, dass unsere Arbeit und unsere Bemühungen gewürdigt werden: Wo bleibt die Wertschätzung und die Prämie für unsere MFA? Und wo werden die erschwerten Hygienebedingungen bei den Zeitvorgaben berücksichtigt?

Social Media

Folgen Sie uns auf unseren Plattformen.

Aktuelle MEDI-Times

MEDI-Newsletter

Mit dem kostenfreien MEDI-Newsletter informieren wir Sie regelmäßig über aktuelle Themen und die neuesten Angebote. Bleiben Sie mit uns auf dem Laufenden!

Die Datenschutzerklärung habe ich zur Kenntnis genommen und bin damit einverstanden.*

Auf Facebook kommentieren!

Burnout: Das High-Touch-Phänomen

Das Telefon klingelt den ganzen Tag, Patientinnen und Patienten stehen ungeduldig am Tresen und parallel benötigt die Chefin oder der Chef Unterstützung. Diese täglichen Praxissituationen kennen alle MFA. Täglich sind sie einem besonders hohen Maß an Stress und Multitasking ausgesetzt. Aber wann ist alles zu viel und droht vielleicht sogar ein Burnout?

ePA-Testlauf: „Der bundesweite Rollout zum 1. April 2025 ist illusorisch“

Seit Mitte Januar läuft in den drei Modellregionen Franken und Hamburg sowie Teilen von Nordrhein-Westfalen die Testphase für die elektronische Patientenakte (ePA). Eine der beteiligten Praxen ist die von Dr. Jana Husemann im Hamburger Stadtteil St. Pauli. Die Hausärztin ist eigentlich ein großer Fan digitaler Anwendungen – und zieht dennoch nur ein eher ernüchterndes Zwischenfazit.