Sie befinden sich hier: Home > Ärzte Kooperationen

Ärzte Kooperationen

Die ärztliche Freiberuflichkeit – bisher Eckpfeiler unseres Gesundheitswesens – wird zunehmend zerstört. Die Gesundheitspolitik engt die therapeutischen und finanziellen Spielräume der Arztpraxen bewusst immer weiter ein, unterminiert unsere vormals erfolgreiche Selbstverwaltung und drängt uns in einen ungleichen Wettbewerb bei gleichzeitiger Bildung einer monopolistischen Einheitskasse.Im Berufsrecht hat kurz nach Einführung vermehrter orts- und fachübergreifender Kooperationsmöglichkeiten eine surreale Diskussion über die erneute Einschränkung dieser Freiheit begonnen. Surreal deshalb, weil hier plötzlich an die Teilgemeinschaftspraxis besonders strenge moralische und juristische Maßstäbe angelegt werden, die niemand gegenüber DMPs, Integrationsverträgen, Bonus-Malus oder MVZ anlegt.Da die Ärzte ihre Freiberuflichkeit zukünftig nur noch durch verschiedene Formen der Kooperation erhalten können, geht es bei der derzeitigen Auseinandersetzung um die Berufsordnung um die Grundsatzfrage, ob eine Freiberuflichkeit, die diesen Namen verdient, überhaupt noch möglich ist. Nicht alle Beteiligten berücksichtigen diesen Zusammenhang.Die MEDIVERBUND AG arbeitet intensiv an der möglichen Modellen und unterstützt die Niedergelassenen Praxen bei den verschiedenen Modellen der Kooperation.

 

 

 

Teilgemeinschaftspraxis

Teilgemeinschaftspraxis was ist das?

 

Neues Berufsrecht

 

Der 107. Deutsche Ärztetag 2004 in Bremen hat das Berufsrecht in einigen entscheidenden Punkten liberalisiert und an die sozialrechtlichen Änderungen aus dem GMG angepasst, insbesondere die Einführung von MVZ. § 18 der MBO, die von den meisten Landesärztekammern umgesetzt wurde, erlaubt Ärzten die Beteiligung an beliebig vielen sog. Berufsausübungsgemeinschaften, die sich auch auf einzelne Leistungen beschränken dürfen. Ein Referentenentwurf aus dem BMGS sieht vergleichbare Änderungen im SGB V vor. Bis zu dessen Umsetzung in geltendes Recht sind Teilgemeinschaftspraxen nur für privatärztliche Leistungen möglich.Teilgemeinschaftspraxis was ist das?Erbringen Ärzte verschiedener Fachrichtungen privatärztliche Leistungen unter Beibehaltung ihres Praxissitzes gemeinsam, so sprechen wir von einer Teilgemeinschaftspraxis. Die Ärzte gründen hierzu eine Partnerschaftsgesellschaft. Die Leistungen aller an dem betreffenden Fall beteiligten Ärzte werden im Namen der Teilgemeinschaftspraxis (TGP) erbracht und abgerechnet. Der Patient erhält also nur eine Rechnung für die Leistungen der ihn behandelnden Ärzte.Mitbehandlung und PrivatpatientenDer Arzt, der den Patienten zuerst behandelt, entscheidet, ob der Fall zu einem Fall für die TGP wird: Behandelt er ausschließlich selbst (gleichgültig ob IGeL oder PKV), so bleibt der Patient wie gehabt Patient der Praxis. Empfiehlt der Erstbehandler dem Patienten jedoch eine Mitbehandlung durch einen Kollegen aus der TGP, so wird der Patient für diesen Fall (Krankheit, Präventionsmaßnahme, IGeL, kosmetische OP etc.) zu einem Patienten der TGP. Der Patient gibt nach entsprechender Aufklärung sein schriftliches Einverständnis. Die Dokumentation wird gemeinsam geführt und EDVtechnisch von den anderen Fällen bzw. Patienten der Praxis getrennt.Fachübergreifende KooperationIn MEDI sind Ärzte aller Fachgebiete organisiert. MEDI ist deshalb dazu prädestiniert, die von Politik, Kassen, Medien, Patienten und Gesundheitsökonomen geforderte fachübergreifende Kooperation bei der Patientenbehandlung (Integrationsversorgung) zu organisieren und in die bzw. in der Praxis umzusetzen. Das juristische Vehikel hierzu bietet das neue Berufsrecht mit der TGP, vorerst jedoch nur für Privatpatienten.Gegenüber der in § 140 ff. SGB V definierten Integrationsversorgung oder DMPs erfordert die fachübergreifende Kooperation in der TGP keinen bürokratischen Aufwand, da weder enge Behandlungspfade definiert noch jeweils spezielle Einschreibe und Dokumentationsformulare nötig sind. Die TGP bildet lediglich einen formellen Rahmen, innerhalb dessen die Ärzte wie gehabt die Patienten entsprechend der medizinischen Kunst bürokratieminimal behandeln können.Das befördert den Qualitätswettbewerb, während die Versorgungsverträge nach SGB V durch strikte Vorgaben diesen entgegen der öffentlich geäußerten Absicht einschränken.Sobald das SGB V Teilgemeinschaftspraxen ermöglicht, wird MEDI mit dieser Form der wohnortnahen haus und fachärztlichen Versorgung in den Wettbewerb gehen. Wir sind sicher, dass bei fairen Wettbewerbsbedingungen, d.h. keine dual finanzierten Subventionen und gleiches Geld für gleiche Leistung, wir im ambulanten Bereich die gleiche bessere Qualität bei besserem optimalem PreisLeistungsverhältnis bieten.Qualität und EDVDurch gemeinsame, auch fachübergreifende Fortbildung, bei Qualitätszirkeln, Stammtischen, Fachkongressen und via Internet halten sich die Ärzte in der MEDI TGP auf dem Laufenden. Die beteiligten Ärzte einigen sich auf Kriterien eines sachgerechten Qualitätsmanagements. Schon kurz und mittelfristig halten wir es für sehr wichtig. Mittelfristig will MEDI die ArztzuArztKommunikation über alle PraxissoftwareGrenzen hinweg ermöglichen. Datensicherheit und die Fragen von Haftung und Kosten sind hierbei die zentralen Fragen.VergütungDer Patient erhält von einer privatärztlichen Verrechnungsstelle eine Rechnung nach GOÄ im Namen der TGP. Diese enthält alle Leistungen, die die behandelnden Ärzte in diesem Fall erbracht haben. Jeder Arzt meldet der PVS die entsprechenden Ziffern unter einer eindeutigen Fallnummer, anhand derer die PVS die Abrechnungsdaten zusammenführt und die Honorare ausbezahlt.Die behandelnden Ärzte beteiligen sich wechselseitig an den Honoraren. Die Anteile richten sich nach den Kosten der dabei erbrachten Leistungen und betragen für Erstbehandler und Mitbehandler je nach dem 5% zu 95%, 10% zu 90% oder 15% zu 85 %. Die berechneten Sachkosten bleiben unberücksichtigt.Ein Beispiel: Der Patient wird von seinem Hausarzt über die Möglichkeiten einer Besenreiserverödung beraten. Der Hausarzt nennt Dermatologen und Orthopäden, die diese Leistung innerhalb der TGP erbringen.Die Steigerungsfaktoren sind Beispiele und werden im konkreten Fall vom behandelnden Arzt nach den Vorgaben der GOÄ bestimmt.Standespolitische ZielsetzungKernidee ist, die Zusammenarbeit von Haus und Fachärzten im ambulanten Bereich zu intensivieren. Praxisnetze müssen auch in Zukunft konkurrenzfähig sein gegen Krankenhäuser und MVZ. Zweck einer TGP ist das gemeinsame Erbringen von privatärztlichen Leistungen. Bisher mussten Ärzte, die bestimmte Leistungen nicht selbst erbringen konnten, befürchten, den Patienten an einen Kollegen zu verlieren. In der TGP ist das anders. Hier wird der Patient innerhalb der TGP weiter behandelt.Damit soll die ärztliche Freiberuflichkeit in wirtschaftlicher und therapeutischer Hinsicht gestärkt werden. Wir sind uns sicher, dass die niedergelassenen Ärzte keine ambulante Konkurrenz durch Krankenhäuser, MVZ oder Kapitalgesellschaften fürchten müssen, wenn sie sich solchermaßen in dezentralen Kooperationsstrukturen strategisch aufstellen. Voraussetzung ist natürlich ein fairer Wettbewerb ohne Verzerrungen durch dual finanzierte Subventionen im ambulanten Bereich.LeistungskatalogDer Leistungskatalog muss sehr breit sein und IGeL und Wellnessangebote bis hin zu sämtlichen PKVLeistungen umfassen. Welche Leistung in den Katalog kommt, entscheidet die TGP demokratisch. Außerdem kann jeder Arzt für sich bestimmen, welche Leistungen er selbst erbringt und welche Leistungen eines Kollegen er seinen Patienten empfiehlt. Die Therapiefreiheit bleibt so für den einzelnen stets gewahrt. Jeder Partner in der TGP muss allerdings akzeptieren, dass Kollegen Leistungen erbringen, die er selbst nicht erbringen oder empfehlen würde. Interkollegiale Toleranz ist deshalb eine unabdingbare Voraussetzung für die Kooperationsfähigkeit.Der MEDIVERBUND AG liegt ein Leistungskatalog vor, der einen großen Teil der gängigen IGeL enthält. Der Katalog erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder allseitige Akzeptanz.

 

 

Ärztehäuser

Haftungsbeschränkung im Ärztehaus

 

Die richtige Organisation spart Zeit, Geld und Nerven

Der richtige Gesellschaftsvertrag ist bei Planung, Bau und Betrieb eines Ärztehauses ein entscheidender Faktor. Wie bei der Gemeinschaftspraxis gilt: Den Vertrag einmal gründlich durchdenken, diskutieren und prüfen lassen, spart hinterher viel Geld und Ärger.

Aller Anfang ist schwer

Eine Gruppe interessierter und engagierter Kollegen zu finden, die sich tatsächlich an einem Ärztehaus beteiligen möchten, ist die schwierigste und wichtigste Aufgabe bei der Realisierung eines solchen Projektes. Neben dem fachlichen Konzept und dem Zwischenmenschlichen ist hier die geeignete Rechtsform entscheidend. Wenn sich nach ersten Gesprächen im kleineren Kreis und Informationsveranstaltungen für die Kolleginnen und Kollegen einige ernsthaft Interessierte zusammengefunden haben, sollte man dem Ganzen zur Strukturierung des weiteren Vorgehens und zur Steigerung der Verbindlichkeit des gemeinsamen Handelns einen rechtlichen Rahmen geben.

Die Ärztehaus-GbR ist einfach preisgünstig

Eine fundierte Machbarkeitsprüfung ist nach dem Zusammenfinden der Kerngruppe der nächste Schritt zu einem erfolgreichen Ärztehaus. Am Ende dieser Phase kann aber auch die Erkenntnis stehen, dass sich das Vorhaben nicht realisieren lässt. Aber auch diese Information hat einen Wert, weil jeder Einzelne am Ort sich dann ohne weitere Zweifel an der Richtigkeit des Weges auf die Fortentwicklung seiner Einzel- bzw. Gemeinschaftspraxis konzentrieren kann.

Als juristisches Vehikel für die Prüfung der Realisierbarkeit bietet sich die Gesellschaft des bürgerlichen Rechts (GbR) an. Man muss zu ihrer Gründung nicht zum Notar, es gibt keine Eintragung in das Handelsregister, ein Mindestkapital gibt es nicht und man hat bei der Vertragsgestaltung eine weit gehende Gestaltungsfreiheit. Das macht die GbR zu der Rechtsform mit einem Minimum an Kosten und Bürokratie.

Die Machbarkeitsprüfung umfasst folgende Aktivitäten (Die Aufzählung umreißt lediglich das Themengebiet):

  • Gewinnung möglichst vieler Ärzte. Nach Beratung durch einen Steuerberater Entscheidung der Ärzte, wer einen Anteil am Ärztehaus kaufen und wer lediglich Mieter sein möchte
  • Prüfung verschiedener Standortalternativen.
  • Gewinnung weiterer Mieter aus dem Gesundheitswesen und anderen Bereichen (Apotheke, Physiotherapeut, Orthopädiefachgeschäft, Optiker, Hörgeräteakustiker, etc.).
  • Erste Schätzungen für Flächenbedarf und Baukosten.
  • Einholen von Finanzierungsangeboten.
  • Entscheidung, ob das Ärztehaus gebaut wird oder nicht.


Für alle diese Aktivitäten empfiehlt sich das Einkaufen externen Sachverstands:

  • Steuerberater: Für die Entscheidung über Kauf oder Miete sowie der steueroptimalen Höhe des Engagements.
  • Rechtsanwalt: Die von der MEDIVERBUND AG empfohlene Rechtskonstruktion wurde mehrmals anwaltlich geprüft. Das Modell lässt bei mehreren Parametern Alternativen zu, so dass sich eine abschließende juristische Prüfung anbietet. Eine immer wieder neue vollständige Prüfung würde nur den Anwälten einen Vorteil bringen.
  • Baucontroller: Er berät bei der Bauplanung, der Beauftragung der Bauunternehmen und v.a. bei der Überwachung der Bauausführung, der Bauabnahmen und der Freigabe der Zahlungen nach Baufortschritt.
  • Projektmanager: Zentrale Bedeutung hat die Koordination und Information aller Beteiligten, die Beurteilung der Wirtschaftlichkeit aller Pläne und Maßnahmen sowie v.a. die stringente Arbeit mit den ärztlichen Initiatoren. Dabei gilt es, aus einer Anzahl Individualisten eine schnell, entschlossen und gemeinsam handelnde Gemeinschaft zu machen.


Mit dem Konzept und diesen Fachleuten ist es dann auch verhältnismäßig einfach, geeignete Architekten, Bauhandwerker und Banken zu finden. Ein durchdachtes Ärztehaus ist allemal ein interessantes Objekt.

Nach allen uns bekannten Erfahrungen ist es illusorisch, ein Ärztehaus in überschaubarer Zeit und zu vertretbaren Kosten ohne Fachleute errichten zu wollen. Eventuelle Ersparnisse werden dabei durch den eigenen Zeitaufwand und ein Überschreiten der Baukosten schnell überkompensiert.

Beim Bauen muss die Haftung beschränkt und das Risiko minimal sein

Ist die wohlüberlegte Entscheidung zum Bau des Ärztehauses gefallen, so gründen diejenigen Ärzte, die Anteilseigner am Gebäude sein möchten, eine GmbH bzw. eine GmbH & Co. KG. Die Anteilseigner beider Gesellschaften sind die selben Personen. Die GmbH ist in der Kommanditgesellschaft die sog. Komplementärin, die mit ihrem gesamten Vermögen haftet. Da aber die Haftung bei der GmbH wiederum auf das Kapital beschränkt ist, haftet keiner der Ärzte mit seinem Privatvermögen. Um das nötige Eigenkapital für die Finanzierung des Objekts bereitzustellen, bezahlen die investierenden Ärzte eine entsprechende Summe als Kommanditanteil ein. Dieser sollte mindestens 30% der Baukosten betragen, ideal sind jedoch 40 bis 50%.

Damit Sie bei der Finanzierung nicht doch durch die Hintertür haften, muss auch im Darlehensvertrag mit der Bank die Haftung auf das Vermögen der Ärztehausgesellschaft beschränkt werden. Ein Durchgriff auf das Privatvermögen muss ausgeschlossen sein.

Mit den Mietern werden Verträge abgeschlossen, die erst in Kraft treten, wenn das Gebäude tatsächlich errichtet wird. Die Investoren selbst schließen auch Mietverträge mit der Gesellschaft ab, denn das Gebäude gehört ihr in seiner Gesamtheit. Ein Einzeleigentum an der eigenen Praxisfläche ist nicht sinnvoll. Gebaut wird erst dann, wenn mindestens 90% der Fläche für die standard-mäßigen zehn Jahre vermietet sind. Bei eingehender Prüfung der wirtschaftlichen Verhältnisse der Mieter wird so das Investitionsrisiko erheblich reduziert. Bei Bürogebäuden wird im Gegensatz dazu zur Zeit einfach „drauf los gebaut“ in der Hoffnung, die Mieter würden sich schon finden. Derartige Leerstände wird es in einem Ärztehaus nach dem MEDIVERBUND Modell deshalb nicht geben.

Professionell gemanagter Betrieb

Wenn das Ärztehaus seinen Betrieb aufgenommen hat, erzielt die Ärztehaus GmbH & Co. KG Mieteinnahmen, mit denen die Kredite abgezahlt und je nach Miethöhe und Zinsaufwand sogar Gewinnausschüttungen vorgenommen werden können. Ein professionelles Management der Kooperation der Ärzte im Gebäude erfordert entsprechende personelle und organisatorische Strukturen. Deshalb ist zu erwägen, ob die Ärztehausgesellschaft auch dieses Management übernimmt und dafür Personal einstellt. Alternativ könnte eine separate Gesellschaft gegründet oder aber ein externer Dienstleister damit beauftragt werden. Die MEDIVERBUND AG erwägt die Gründung eines solchen Dienstleistungsunternehmens bzw. die Unterstützung der beteiligten Ärzte bei der Gründung einer Management-Gesellschaft für mehrere Ärztehäuser.

Altersvorsorge und Nachfolgeregelung

Im Laufe der Zeit wird die Gründergeneration der Ärzte sukzessive in den Ruhestand gehen. Das macht die Suche geeigneter Nachfolger notwendig, zum einen um den bisherigen Standard der Patientenversorgung aufrechterhalten zu können, zum anderen um die Rentabilität des Objektes für die Investoren bzw. deren Erben aufrechtzuerhalten. Für die meisten beteiligten Ärzte wird das Ärztehaus einen Großteil der Altersvorsorge darstellen.

Andererseits hängt die Attraktivität für den Einstieg eines Nachfolgers auch von der Möglichkeit ab, sich am Ärztehaus finanziell beteiligen zu können. Für diesen Fall gibt es ein Modell, das das Motiv der Altersvorsorge des Gründers mit dem Neueinstieg des Nachfolgers verbindet: Der bisherige Besitzer des Gesellschaftsanteils verkauft seine Anteile sukzessive über einen Zeitraum von 10 bis 15 Jahren. Das hat den Vorteil, dass der Verkäufer ggf. den Wertzuwachs über mehrere Jahre getrennt versteuern kann und außerdem fällt es dem neu sich Niederlassenden leichter, den Kauf der Anteile nach und nach zu finanzieren. In jedem Fall sollte bei solchen Fragen ein Steuerberater hinzugezogen werden.

 

 

MVZ

MVZ in der Zulassung


Medizinische Versorgungszentren (MVZ) sind kassenarztrechtlich eine neue Organisationsform für die Erbringung vertragsärztlicher Leistungen, für die bezüglich Zulassung und Bedarfsplanung dieselben Regeln gelten wie für die Einzelpraxis und die Gemeinschaftspraxis. In gesperrten Bezirken können deshalb MVZ im jeweiligen Fachgebiet nur durch die Gewinnung bereits niedergelassener Kollegen aktiv werden. Eine Konkurrenz durch angeworbene Ärzte ist deshalb nicht möglich: Gesperrte Bezirke bleiben gesperrt. In offenen Bezirken kann ein MVZ hingegen beliebig viele Ärzte als Angestellte oder Freiberufler einsetzen.

Wie und wo bekomme ich die Zulassung für mein MVZ?

Ein MVZ benötigt eine sog. Zulassung durch den Zulassungsausschuss, der für den Ort des MVZs zuständig ist. Diese Form der Zulassung ist nicht mit der Zulassung für einen bestimmten Kassenarztsitz zu verwechseln. Ein Beispiel: Die Ärzte A, B und C, die mindestens zwei verschiedenen Fachgruppen angehören, haben bereits am Ort eine Kassenzulassung und wollen gemeinsam ein MVZ betreiben. Sie reichen deshalb beim Zulassungsausschuss den Gesellschaftsvertrag, die Namen und Fachgebiete der beteiligten Ärzte ein und benennen einen der drei als ärztlichen Leiter. Gem. § 103 Abs. 4a hat der Zulassungsausschuss dies zu genehmigen. Die Ärzte im MVZ können gem. § 95 Abs. 1 Angestellte oder Freiberufler sein. Unsere Ärzte A, B und C können jetzt beispielsweise den Arzt D mit einem nicht gesperrten Fachgebiet anstellen. Alle im MVZ tätigen Ärzte sind automatisch Mitglied der KV.

Ausscheiden aus dem MVZ

Wie in Gemeinschaftspraxen wird es auch in MVZ zu Trennungen kommen. Was geschieht dann mit den Kassenarztsitzen? Das Gesetz ist hier nicht klar. Haben sich unsere Ärzte A, B und C im Beispiel für ein freiberufliches MVZ entschieden, so wäre es plausibel, dass der Ausscheidende seine Zulassung „mitnimmt“ und sich am Ort wieder selbständig niederlassen kann. Fraglich ist, ob es sein kann, dass die vormals freiberuflichen ärztlichen Gründer und Eigentümer durch entsprechende Vertragsgestaltung (etwa Bezahlung eines Gehalts) als Angestellte betrachtet werden und die Zulassung insofern unwiderruflich beim MVZ verbleibt. Hier empfiehlt sich eine explizite klare Regelung, damit jeder Arzt beim Ausscheiden seine Zulassung behält. Klar hingegen liegt der Fall beim angestellten Arzt D, dessen Zulassung im Falle des Ausscheidens beim MVZ verbleibt.

Vertragsarztrecht gilt auch für das MVZ

Die Voraussetzungen für alle Ärzte in einem MVZ gelten analog wie bisher (Approbation, Eintragung ins Arztregister). Lediglich beim Eintritt von angestellten Ärzten gilt nicht das Höchstalter von 55 Jahren wie bei Freiberuflern. Auch Ärzte im MVZ haben die Residenz- und Präsenzpflicht, müssen am Notdienst teilnehmen und dürfen v. a. die vertragsärztlichen Leistungen nur persönlich erbringen. Die „informelle“ Beschäftigung eines Vertreters ohne Genehmigung der KV ist damit auch im MVZ ausgeschlossen.

Ein MVZ ist eine große Gemeinschaftspraxis

Fazit: Das MVZ ist nur eine neue rechtliche und organisatorische Form der vertragsärztlichen Leistungserbringung. Man könnte auch von einer großen Gemeinschaftspraxis sprechen, allerdings mit einigen mehr oder weniger wichtigen Besonderheiten:

 

  •  Das MVZ kann die Rechtsform frei wählen.
  •  Angestellte Ärzte sind auf Dauer möglich.
  •  Das MVZ kann auch von anderen Leistungserbringern betrieben werden (Krankenhaus), muss aber in jedem Fall ärztlich geleitet sein.
  • Die erste Generation Ärzte im MVZ kann nach fünf Jahren einen zusätzlichen eigenen Arztsitz auch in gesperrten Bezirken erhalten.

 

 

Anmeldung
 

Banner Auswahl
Karte Wählen Sie

MEDI für Ärzte

MEDI für Ärzte

nach oben