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Nachricht  vom 01.06.2017


Streit um Versandhandel geht weiter


Berlin (pag) – Der Streit um das geplante Versandhandelsverbot geht in die nächste Runde. Im Bundestag werden die unterschiedlichen Meinungen bei einer Anhörung zu Anträgen der Linken und Bündnis 90/Die Grünen offensichtlich: Während die deutschen Präsenzapotheker eine flächendeckende Versorgung durch den Versandhandel in Gefahr sehen, hat die Gegenseite auch einige Argumente parat.


Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) werden ausländische Versandapotheken durch die in Deutschland geltende Preisbindung für rezeptpflichtige Medikamente benachteiligt, diese Regelung verstoße gegen EU-Recht. Eine mögliche Konsequenz aus dem Urteil wäre neben einem Versandhandelsverbot die Aufhebung der Preisbindung auch für rezeptpflichtige Arzneimittel. Die Linksfraktion fordert, in Deutschland den Versandhandel für rezeptpflichtige Medikamente zu verbieten und Zuzahlungen zu Medikamenten abzuschaffen. Die Grünen sind hingegen gegen ein Verbot und schlagen vor, die Festpreisbindung in eine Höchstpreisbindung umzuwandeln. Ergänzend dazu sollten Rabatte und Boni nur in einem bestimmten Rahmen zugelassen werden.


Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) rechnet dazu vor, dass selbst bei scheinbar geringen Rabatten von einem Euro pro verschreibungspflichtigem Medikament das Betriebsergebnis um bis zu 50 Prozent geschmälert würde. Prof. Reinhard Busse, Technische Universität Berlin, unterstreicht, dass Apotheken in Deutschland deutlich höhere Umsätze als in anderen Ländern hätten. Der Versandhandel gefährde die Versorgung nicht. Uneinigkeit gibt es zwischen der ABDA und den Versandhandels-Verbänden beim Thema Beratung: „Der Versandhandel bietet keine zusätzlichen Leistungen an“, so Friedemann Schmidt, Präsident ABDA. Dem widerspricht der Bundesverband Deutscher Versandapotheker, als dass sehr wohl „Dienstleistungen angeboten“ würden, im Gegenteil seien die Versandapotheken „Beratungssieger“.


Ebenfalls zu ganz unterschiedlichen Einschätzungen kommen ABDA und Versandhandel beim Thema Marktanteil: Im Moment haben die EU-Versandapotheken einen relativ geringen Marktanteil, sollte der Preiswettbewerb zugelassen werden, geht die ABDA davon aus, dass sich der Marktanteil beim Rx-Versandhandel für Versandapotheken auf 25 Prozent erhöhen würde. Für illusorisch hält der Europäische Verband der Versandapotheken diese Prognose und bietet an, einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer Marktanteilsveränderungen transparent machen zu lassen.


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